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Regal Book © Deindreh

Deindreh

Regale in Bewegung

Ein Artikel von Dagmar Holley | 01.04.2019 - 17:26

Bald darauf begann er mit Schubladen und Magnetplatten zu experimentieren: Von fünf verschiedenfarbigen Ladenfronten war jede mit vier Magneten ausgestattet, die eine einfach Neupositionierung ermöglichten. So konnte man mit 20 Magnet-Pixel eine ganze Sideboard-Front nach Belieben umgestalten. Die Idee fand viel Anklang, doch eigentlich träumte Kurmann davon, noch mehr Bewegung in seine Möbel zu bringen, als nur die Frontfläche zu verändern.

Endlose Formenspiele

Er begann erneut zu experimentieren. Das Ergebnis waren Module aus je drei Boxen, die mit einem flexiblen Textilband an der Gehrung einmal oben und einmal unten fixiert waren. Sofort war Kurmann begeistert von den Möglichkeiten, die sich daraus ergaben: „Das Konzept hat mich gefesselt, ich war verblüfft über die endlos vielen Formenspiele.“ Der Schweizer tüftelte lange herum, bis die Idee schließlich einwandfrei funktionierte. Ein Textil- oder Lederband wird in Handarbeit in die Gehrung eingearbeitet. Diese wird angeschnitten, um einen schmalen Schlitz einfräsen zu können, und nach dem Einsetzen des Bandes mit einem Gegenstück verschlossen. Damit die Verbindung unter Belastung nicht abschert, ist eine stabile Fixierung notwendig. „Mittlerweile haben sich alle Details gut etabliert und ergeben eine extrem flexible und belastbare Verbindung“, so Kurmann. Der erste Prototyp hängt noch immer in seiner Werkstatt an der Wand und wird Kunden gerne vorgeführt. Der Weg dorthin war nicht immer einfach: „Tüfteln, tüfteln und nochmals ausprobieren“, erinnert sich der Tischler an die Entwicklungsarbeit.

Regale, Tische, Sitzgelegenheiten

Auf dem Grundkonzept dieser flexiblen Verbindung hat Kurmann unter dem Label Deindreh in den vergangenen Jahren eine ganze Kollektion beweglicher Möbel entworfen: verschiedene Club- und Beistelltische, manche davon auch als Sitzgelegenheit zu nutzen, sowie Regale in unterschiedlichen Farben und Formen. Der Weg von der Idee zum fertigen Prototyp führt von der Entwurfsskizze auf Papier über ein Modell aus Karton.

Das Regal „Book“ ist der rechteckige Klassiker unter den oft verspielten und extravaganten
Objekten, vom sechseckigen Honey bis zum unregelmäßigen Monolith mit schräger Vorderkante. Book ist ein flexibles Bücherregal aus je zwei verbundenen Modulen. Es besteht aus natürlichem, massivem Eichenholz, die Innenflächen sind in verschiedenen Farben lackiert erhältlich. Durch seine einfache und intelligente Konstruktion kann das Regal an jede Gegebenheit im Raum sekundenschnell angepasst werden. Besonders reizvoll ist auch das – bei mehreren Deindreh-Modellen möglichen – Aufstellen auf den Kanten. Durch Hineinlegen eines weiteren Moduls wird der rechte Winkel fixiert. Die Schrägstellung erzeugt eine ungewohnte, interessante Optik. Wie schnell und unkompliziert der Umbau funktioniert, zeigt Kurmann auch im Video auf seiner Webseite.

Qualitätsfaktor Handwerk

Seit fünf Jahren fertigt er die modularen Möbelsysteme in seiner eigenen kleinen Manufaktur in Luzern. Die Materialauswahl richtet sich nach den Wünschen der Kunden. Gerne arbeitet Kurmann mit Eiche, Fichte und Birkensperrholz, kombiniert mit lackierten MDF-Platten. „Es werden meist einheimische Holzarten verlangt, um die Nachhaltigkeit zu unterstützen“, schildert der Möbelbauer. Von technischer Seite ist es wichtig, dass die Regale nicht zu schwer sind, um sie noch gut bewegen zu können. Auch in Sachen Optik bevorzugt er filigrane Objekte.

„Live“ auf Messen

Auf zwei bis drei Messen pro Jahr nimmt der Schweizer teil, um seine neuesten Entwürfe zu präsentieren: „Da meine Produkte bewegt werden müssen, kommt dies live am Stand am besten zur Geltung.“

In den Möbeln steckt viel Zeit, Energie und Herzblut. So freut sich Kurmann besonders über das wachsende Interesse und ist immer noch voller Tatendrang: „Obwohl ich manchmal an meine Grenzen kam, ist es doch genau das Experimentieren, das am meisten Spaß macht. Die Verbindung ist aufwendig und die räumliche Vorstellung der Produkte beim Zusammenbau eine spannende Herausforderung.“