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Eine neue Zahnform und dicke PKD-Schneiden aus schlagzähem Diamant machen den Kompaktzerspaner widerstandsfähiger bei der Bearbeitung mäßiger Plattenqualitäten © Kittel

Leitz

Nächste Generation

Ein Artikel von Robert Kittel | 03.05.2019 - 09:57

Der Kompaktzerspaner von Leitz habe sich in Industrie und Handwerk ja anerkanntermaßen bewährt, sagt Bernhard Bauer aus der Entwicklungsabteilung in Riedau: „Wir wollten unser Produkt weiter verbessern, konkret sollte er in minderwertigen Spanplatten mit Steinen und Sand noch haltbarer werden und mehr Späne schneller und gezielt abtransportieren“, zählt er einige Entwicklungsziele auf. Ein Zerspaner müsse zwei Gegensätze unter einen Hut bringen: „Einerseits eine hohe Zerspanungsleistung und andererseits eine saubere Kantenqualität, damit beispielsweise die folgende Kantenbelegung präzise ausfällt."

Rund ist robust

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Neue Zahnform: Zerspanung und Fertigschneiden konnten in einem Zahn vereint werden © Kittel

Die Zahnform war einer der Parameter, an denen Leitz drehte: „Wenn Sie die neue Zahnform anschauen, sieht sie ganz anders aus, als die der früheren Generationen. Statt einer Räum- und einer Fertigschneide im Wechsel haben wir jetzt eine einheitliche Zahnform.“ Auffällig ist, dass die neue Schneidenform diverse Radien und Winkel zeigt und insgesamt „rundlicher“ wirkt. Dadurch erreiche man einen robusteren Zahn, führt Bauer aus: „Ecken und Spitzen in der Geometrie sind das erste, was bei einer PKD-Schneide durch Schläge – zum Beispiel von Steinen – gefährdet ist. Sie müssen sich das daher so ähnlich wie die Zähne eines Baustellen-Kreissägeblattes vorstellen.“ Um eine schönere Schnittkante zu erhalten, wurde der Fertigschneider optimiert, ein anderer Teil der Zahngeometrie lenkt die entstehenden Späne dann gezielt in Richtung „Ausgang.“

Strömungsgünstiger Spanauswurf

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Kanäle zwischen den Zähnen leiten die Späne wie ein Reifenprofil ab © Kittel

Man habe den Weg der Späne analysiert und ihnen Platz gemacht, erklärt Bauer: „So ähnlich wie bei einem Reifenprofil, welches das Wasser in Profilrinnen nach außen leitet, machen wir das mit den Spänen. Ein Kragen verhindert, das Späne nach innen Richtung Kante wandern und dort brennen.“ Der Kragen könne zudem im Rahmen eines normalen Schärfdienstes ohne Aufwand nachgesetzt werden. In der Praxis zeigen diese Maßnahmen eine verblüffende Wirkung, wie an einem unverkleideten Versuchsaggregat zu beobachten war: Die Späne nehmen alle einen scharf begrenzten Weg. So wirksam, dass vom frei laufenden Zerspaner praktisch kaum Späne auf das Werkstück fallen. Die Wirkung der Absaugung verbessere sich, weil die Späne gezielt ins Rohr „geschossen“ und weniger verwirbelt würden, führt Bauer aus: „Was natürlich bessere MAK-Werte und geringere Staubbelastung bedeutet.“

Weniger Vibrationen, längerer Standweg

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Der Schwingungsdämpfer (im Bild schwarzer Ring) verringert Lärm und Vibrationen © Kittel

Auch qualitätsmindernde, verschleißfördernde Vibrationen des Zerspanerkörpers konnten die Techniker verringern: „Für den Körper verwenden wir nun eine spezielle Stahlqualität. Ein Schwingungsdämpfer verringert dabei die Vibrationen, der Zerspaner läuft leiser.“ Was Bauer praktisch demonstriert: Ein herkömmlicher Zerspaner klingt wie eine Glocke, der Schwingungsgedämpfte viel dumpfer und seine Schwingungen klingen viel schneller ab.

Zahlreiche Verbesserungen

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Im Leitz-Labor:  Am Versuchsaggregat werden die Auswirkungen der Verbesserungen sichtbar © Kittel

Die Vielzahl solcher Detailverbesserungen ergebe in Summe einen „neu konstruierten“ Zerspaner, meint Bauer: „Dieser neue Kompaktzerspaner kann deutlich länger seine Kantenqualität konstant hoch halten. Mit anderen Worten, er wird nicht so schnell stumpf.“ Und er könne öfter nachgeschärft werden: „Die Diamantschneiden sind dicker als üblich. Sie werden, sozusagen aus Diamant nach Maß, für diesen Zweck hergestellt, sind weniger spröde als herkömmlicher PKD und wesentlich schlagzäher“, schmunzelt Bauer: „Für den Anwender dürfte wesentlich sein, dieser Zerspaner hält länger und ist unempfindlicher – bei sehr sauberer Kantenqualität.“