Gastkolumne

Ein Styleguide

Ein Artikel von Günther Grall | 05.06.2020 - 08:23

Die Präsidentin zeigte vor, auch bei Masken gibt es Moden und eine Etikette zu beachten. Ich fand die ersten ins Netz gestellten Do-it-yourself-Anleitungen noch sehr unbeholfen, wollte etwas Besseres und habe daher meine Freunde in Asien befragt. Sie haben bereits eine Palette von Masken zu Hause, sind schon Experten: Also, die Farbe ist der wichtigste Unterscheidungsfaktor, nicht nur in den Schulen – bei uns wird das nach der Wiederöffnung starten – es werden damit die verschiedenen Stimmungen ausgedrückt. Sportlich wäre beispielsweise die himmelblaue mit Falten. Mutigere mischen Gelb, Grün, Pink oder Lila zu ihren Outfits. Einige der Trendsetter in Hongkong tragen zwei oder drei mit verschiedenen Farben gleichzeitig, um einen Effekt von verschiedenen Farb-Ebenen zu erzeugen. Schwarz ist in Hongkong ein politisches Statement, bei uns eher nur für traurige Anlässe geeignet. Ich denke, Weiß wäre fein, zurückhaltend, sauber und einfach, mit allem zu kombinieren. Funktionalität und Passgenauigkeit sind andere wichtige Elemente: Stabile Metalleinsätze an der Nase verhindern das Anlaufen der Brillen. Die Verwendung von kabellosen Kopfhörern ist ein Problem, beim Abnehmen der Maske fliegen die kleinen Dinger oft meterweit.
In Asien sind die Restaurants wieder offen, das Begrüßungs-Zeremoniell hat sich aber grundlegend geändert: Anstatt des bisher üblichen Wassers bringt der Kellner erst mal antibakterielle Tücher. In den Straßen werden an den Marktständen anstatt der bisher überall vorherrschenden Smartphone-Hüllen jetzt kleine Aufbewahrungs-Etuis für die Masken verkauft, um sie bei Nichtgebrauch hygienisch – und ohne die stylischen Falten zu zerknittern – sicher ablegen zu können.
Noch ein letzter Tipp aus Asien: Die dortigen Größen passen uns nicht. Wie gut, dass bei uns Design, Produktion und Vertrieb gestartet haben. Gute Beispiele sind Christina Zauchner mit ihrem Label „Brautgeflüster“ oder Isabella Haas mit „EDEL“. Die beiden Designerinnen hatten sich schnell nach einer heftigen und emotionalen Schockstarre unmittelbar nach Schließung ihrer – gerade erst ins Laufen gekommenen – Geschäfte durchgerungen, nicht aufzugeben, sondern zu schauen, wie es trotzdem weitergehen kann. Mit ihrer flexiblen und professionellen Reaktion versorgen uns ihre Webshops mit angenehmen und schönen, sprich den perfekten Accessoires für diese besondere Zeit.
                                Mit bestem Dank dafür, Ihr Günther Grall

 
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Günther Grall © Grall

FH-Prof. Mag. Dr. Günther Grall ist studiengangsleitender Professor für Design & ­Produkt­management an der Fachhochschule Salzburg, Standort Kuchl.