Interview mit dr. erlfried taurer

Die Krise als Chance sehen

Ein Artikel von Birgit Fingerlos | 13.10.2020 - 15:06
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Dr. Erlfried Taurer © foto-kohlmeier.at

Die Sparte Plattenindustrie im Fachverband der Holzindustrie vertritt die Interessen der österreichischen Plattenindustrie auf nationaler und internationaler Ebene. Wir haben dem Sprecher der österreichischen Plattenindustrie, Dr. Erlfried Taurer, ein paar Fragen zur Marktlage gestellt.

Wie ist das vergangene Jahr 2019 für die österreichischen Plattenhersteller gelaufen?

2019 war auch wieder ein gutes Geschäftsjahr mit im Wesentlichen stabilen Produktions-, Absatz- und Exportvolumina. Die Branche setzt auf einen hohen Veredelungsgrad.

Wie war der Jahresstart für die Plattenhersteller?

Der Start ins Jahr 2020 war ebenso noch vielversprechend mit marginalen Produktions- und Exportrückgängen im 1. Quartal. Das 2. Quartal war schließlich coronabedingt geprägt von Unsicherheit und Zurückhaltung im Privatkonsum und bei Investitionen. Das hat sich in allen Bereichen durch einen Rückgang in Produktionsmenge, Inlandsabsatz und Exportmenge von 20 bis 25 % massiv niedergeschlagen.

Wie sehr wurden die österreichischen Plattenhersteller vom Lockdown durch die Coronapandemie getroffen?

Sehr rasch nach dem Lockdown kam es zu einer Abflachung der Auftragseingänge. Insbesondere die geschlossenen Möbelhäuser und Baumärkte führten zu einem Auftragseinbruch. Mitarbeiter wurden sukzessive in Kurzarbeit geschickt sowie Urlaube und Überstunden abgebaut. Zwischenzeitlich ist wieder annähernde Normalität eingetreten, die Produktionsauslastung, primär als Nachholeffekt des Shutdowns, ist zufriedenstellend. Der bauabhängige Bereich hat sich – aus dem Gefühl heraus – etwas schneller erholt als der Möbelsektor. Dennoch ist die weitere Entwicklung noch nicht verlässlich vorhersehbar.

Gab es vorübergehende Betriebsschließungen?

Nein.

Können die österreichischen Hersteller ihre Planzahlen für dieses Jahr erreichen?

Es sind keine validen Zahlen vorhanden. Aber eher nein, das entstandene Minus kann in den verbleibenden Monaten nicht wettgemacht werden.

Was sind für die Plattenproduzenten die größten Herausforderungen, die von der Coronavirus-Pandemie hervorgerufen wurden?

Durch die Unvorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung ist ein Ausblick extrem herausfordernd. Es wird ein volatiler Markt er­wartet. Mit einer raschen Erholung des Konsums und der Investitionen ist nicht zu rechnen.

Wie reagieren die Plattenproduzenten darauf?

Jede Krise birgt auch eine Chance in sich. Diese nutzt die Plattenindustrie proaktiv für sich und unterstreicht deren Nutzen in der auf „Green Deal“ ausgerichteten Politik. Holzwerkstoff-Produkte der Plattenindustrie leisten einen ökologischen Beitrag. Die Nachnutzung von Holz in Form einer den technischen Möglichkeiten angepassten ­Recyclingrate ist ein Musterbeispiel für Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie.

Neben der Coronakrise haben wir auch eine Schadholzkrise. Was bedeutet das für die Plattenindustrie?

Der Anfall von Schadholz hat sich über den Sommer durch die Witterungsverhältnisse stabilisiert. Es werden eher weniger Auswirkungen erwartet. Offen ist allerdings noch, was im September geschieht.

Die Holzbauoffensive der österreichischen Regierung umfasst ein Maßnahmenpaket zur vermehrten Verwendung von Holz als Baustoff. Welche Auswirkungen können sich die Plattenhersteller dadurch erwarten?

Mehr Holzbau ist auch im Prinzip positiv für die Plattennachfrage. Neben einem Imagegewinn für die Verwendung des nachhaltigen Bau- und Werkstoffes Holz sehen wir auch Chancen, neue Marktsegmente anzustreben.