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Denksport: Oertli plante eine Werkzeugbelegung mit mehreren Variablen, wie Wellenverschiebung, schwenkbaren Fräsmotoren, Gleich- und Gegenlauf sowie minimalen Rüstlücken in der Serie © Robert Kittel

Oertli

Molto bene

Ein Artikel von Robert Kittel | 12.08.2020 - 11:56
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Gute Zusammenarbeit: Johann Steiner (Oertli), Norbert Emmerling und Andreas Fromhund von Bene (v. li.) © Robert Kittel

Eine fast 20 Jahre alte Losgrößen-Anlage der ersten Generation sollte bei Bene in Waidhofen durch zwei identische einseitige Anlagen ersetzt werden. Die erste Anlage wurde 2019 installiert und befindet sich nun im Vollbetrieb. Mit dieser Kanten- und Profilierlinie werde eine Einzelstückfertigung mit hoher Kapazität und maximaler Flexibilität umgesetzt, erzählt Fertigungsprozessmanager Norbert Emmerling: „Bearbeitet werden nicht nur die Kanten, sondern auch Schmalflächen. Wir haben etwa 96 verschiedene Makros zum Nuten und Fälzen.“
Eine wichtige Entscheidung war das Klebesystem – Laser oder PU, sei die Frage gewesen, so Emmerling: „Wir haben uns für PU entschieden, da bei geringeren Investitionskosten und bekannter Verklebetechnologie eine optisch gleiche Fugenqualität wie bei Laserkanten erzeugt werden kann. Zudem ist die PU-Kante auch noch feuchtigkeitsbeständiger als die Laserkante und kann an allen bestehenden Maschinen eingesetzt werden.“

Kein Werkzeugwechsler

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Splitwerkzeugsatz: Je nach Position der Welle können unterschiedliche Arbeitsgänge ausgeführt werden © Robert Kittel

Die Homag-Linie gliedere sich einen Zerspanungsteil, den Bekantungsteil und dann fünf Fräsmotoren mit hydraulischer Aufspannung und Mehrfach-Satzwerkzeugen – so um die 20 Werkzeuge –, welche die Fälz- und Nutarbeiten übernehmen, erläutert der Werkzeugtechniker der Arbeitsvorbereitung, Andreas Fromhund: „Um Rüstzeiten zu minimieren, hat die Linie keinen Werkzeugwechsler. Sondern die Arbeitsgänge im Werkzeugsatz werden durch Verschiebung der Welle praktisch verzögerungsfrei eingestellt. Zusätzlich gibt es dann noch einen ‚fliegenden Nuter‘ auf einem Ausleger, der uns die Flächennuten produziert.“ Früher hätte man in der Serienfertigung erhebliche Rüstlücken gehabt, mittlerweile sei es technisch möglich, Werkzeuglage und -position schnell zu ändern. „Das kommt bei dieser Anlage extrem gut“, meint Fromhund: „Wir haben diese Rüstlücken ermittelt, in der Praxis sind es etwa 5 Sekunden, bis der Motor die Position gewechselt hat und wieder volle Drehzahl erreicht – also für mich ist das eine feine Geschichte.“

Wandgroßer Werkzeugbelegungsplan

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Splitwerkzeug: Zwei Zonen für 19 mm (unten) und 25 – 38 mm (oben) Plattenstärke © Robert Kittel

Bei Bene werde überaus professionell strategisch geplant, berichtet Oertli-Verkaufstechniker Johann Steiner: „Der Kunde hatte seine Hausaufgaben bereits gemacht und alle Bearbeitungsschritte katalogisiert. Das ermöglichte, das Ganze so wirtschaftlich wie möglich, mit so wenigen Werkzeugen wie möglich und auch so einfach wie möglich im Service – also mit möglichst wenigen Schneidentypen – zu planen. Es war die Aufgabe von Oertli-Leuco, diese Motorbelegung zu finden und so zu standardisieren, dass ohne Werkzeugwechsel so viele Optionen wie möglich abgedeckt werden und trotzdem einfach zu warten sind.“ Fromhund wirft lachend ein: „Wir haben mit einer Excel-Liste geplant, das war letztendlich eine große Tapete und bedeckte die Wand. Wir haben dann gesehen, dass wir qualitativ mit unseren komplexen Makros bei Oertli das bessere Werkzeug bekommen.“
„Wir haben Bene im Fügebereich der Bekantung ein Splitwerkzeug mit zwei Schnittzonen angeboten. Dabei wird mit PKD-Schneiden die Kante bearbeitet. Das Splitting auf unser bewährtes P-System mit steilem Achswinkel und den Diarex mit deutlich flacherem Achswinkel ermöglichte uns, zwei Schnittzonen zu bilden. Die überwiegend verarbeiteten 19 mm-Platten profitieren dabei von der längeren Standzeit des P-Systemes, während die weniger häufig benötigten Stärken von 25 bis 38 mm mit dem konventionellen Achswinkel des Diarex bearbeitet werden. Dadurch sind beide Schnittzonen annähernd zur selben Zeit fällig zum Nachschärfen – ich brauche also keine halben Fräser zu schärfen, sondern gebe das ganze Werkzeug zum Service. Zusätzlich ist dieses Splitwerkzeug mit dem Airface-System ausgerüstet, was uns deutliche Lärmminderung im Leerlauf um bis zu 2,5 dB bringt. Bei der Werkzeugplanung war natürlich ein Punkt, dass wir Gleich- und Gegenlauf haben. Wir mussten also eine Motorbelegung finden, welches Werkzeug, in welcher Drehrichtung, in welcher Laufrichtung wann zum Einsatz kommt.“ Auf jeder Welle gibt es mehrere – meist vier – Einzelwerkzeuge. Der Schneidensatz eines Einzelwerkzeuges kann durchaus für mehrere unterschiedliche Bearbeitungen ausgelegt sein – zum Beispiel eine Rundung, eine Nut und ein Falz, je nach Einstellung der Z-Achse und der Wellenposition auf der Y-Achse. Damit nicht genug, sind die fünf Fräsmotoren schwenkbar, können also von oben, von unten oder flächig bearbeiten. Unterm Strich sei man mit diesem Werkzeugkonzept wohl nicht der Billigst-, aber doch der Bestbieter gewesen, resümiert Steiner. Fromhund ergänzt: „Ja, aber wir hatten auch Angebote für unterschiedliche Belegungskonzepte. Beim Fügen schien uns die Lösung von Oertli für unsere Zwecke einfach besser geeignet.“ Im Vergleich zur bestehenden Anlage hätten sich die Standzeiten verbessert, hält Fromhund fest. Die Wartung und der Service der Werkzeuge erfolgt im Oertli Schärfcenter. Die Schärfintervalle basieren auf Erfahrungswerten und vordefinierten Standwegen.
Aus Sicht des Prozessmanagers, Norbert Emmerling, sei das Projekt mit Oertli-Leuco ein Erfolg: „Die geplante Errichtung der zweiten Linie in wenigen Wochen dürfte Plug & Play sein. Werkzeugbestückung und Makros sind optimiert, im Prinzip sollte es genügen, alles auf die neue Linie zu kopieren und sofort produktiv zu sein“, ist er zuversichtlich. „Darum wurden beide Anlagen mit identischen Werkzeugsätzen ausgestattet, so haben wir die volle Flexibilität auf beiden Anlagen und vollen Kapazitätsausgleich.“ Im Brustton der Überzeugung antwortet er auf Nachfrage: „Ja, natürlich sind wir zufrieden – sehr sogar.“