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Sich zu Hause wohlfühlen – mehr denn je spielt dies eine wichtige Rolle, auch beim Möbeldesign. Neben Natürlichkeit besteht auch der Wunsch nach modernen Elementen. Authentische Holzreproduktionen und schwarze Oberflächen bedienen diese Nachfrage © Egger

Egger

Vielleicht wird sich was ändern

Ein Artikel von Birgit Fingerlos | 21.08.2020 - 11:24
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Klaus Monhoff ist Design- und ­Dekorexperte bei Egger. Er hat sich damit beschäftigt, welchen Einfluss die ­Coronakrise auf Wohntrends haben könnte

 
© Thomas Gebhardt

Wie die Coronapandemie das Denken beziehungsweise die Gefühlswelt der Menschen beeinflusst, das ist laut Klaus Monhoff, ­Design- und Dekorexperte beim Holzwerkstoff-Hersteller Egger, St. Johann in Tirol, nicht eindeutig. Er ist davon überzeugt, dass sich die Gefühlswelt der Menschen während der Dauer der Pandemie verändert. „Zunächst war eine Art Schockstarre und Isolation zu spüren, weil so etwas ­keiner erwartet hatte und somit wusste man auch nicht, damit umzugehen. Ich sehe inzwischen ein wenig eine Art Halbzeit in Bezug auf die Situation der Gefühlswelt, denn durch die Lockerungen verspürt man schon jetzt, dass die Menschen eher ein Nachholbedürfnis zeigen. Dort, wo der Konsum ohne weitgehende Einschränkungen möglich ist, steigen die Verkaufszahlen mehr als deutlich“, sagt Monhoff. Er rechnet damit, dass in den ersten Jahren nach der Pandemie ein Umdenken stattfindet. Die Konsumenten werden deutlich bewusster leben, überlegter einkaufen und konsumieren. „Ich gehe davon aus, dass vermehrt zeitlos und langlebig gekauft wird und ­weniger mutig jene Produkte mit dem ­Risiko einer kurzfristigen Haltbarkeit.“

 

Auswirkungen auf die Dekore

Vor wenigen Monaten war der Marktstart der neuen Egger Kollektion Dekorativ für den Handel sowie die Hausmesse ­Eggerzum für die Möbelindustrie. Dabei hat Egger ­diverse Trends thematisiert und diese mit neun Trendwelten überschrieben. Durch den Einfluss der Krise sieht man nun schon eine Verschiebung bei deren Bedeutung oder Bewertung. „Ich sehe zum Beispiel ­PureNature oder ModernClassics stärker als zuvor, Themen, wie MetalFusion oder ColouredMonochrome, eher zurückhaltender. Andererseits werden Trendfarben, wie aktuell Schwarz, bleiben, vielleicht mit etwas weniger Anteil im Möbel oder auch ­anders kombiniert mit einer warmen Farbe, wie Braun“, erklärt Monhoff und führt weiter aus: „Wir haben vor der Krise eine Nachfrage nach Braun gesehen, aber mehr, um es mit Schwarz zu kombinieren. Das wird jetzt mit Sicherheit kommen und vielleicht hilft das, den Trend von Schwarz zumindest als Akzent zu beleben.“
Seine Kollegin Stefanie Könemann ist davon überzeugt, dass  „die neue Normalität“ in vielen Bereichen als Trendverstärker wirkt: „Das Bedürfnis nach Cocooning findet sich in unseren Trendwelten PureNature und PerfectImperfection wieder und entspricht dem Wunsch, sich geerdet und wohlzufühlen – und das auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt. Die Trendwelten Modern­Classics und FutureRetro liefern eine Neuinterpretation der ­Sicherheit des Vertrauten und Bewährten. Wärme und ­Geborgenheit hingegen vermitteln die ­Dekore unserer Trendwelt Matt­Emotion, da matte Oberflächen warm und angenehm wirken. Das Bedürfnis nach Klarheit und Ordnung spiegelt sich in den Trendwelten LightUrban und BlackOptions wider, da es sich um helle Farben und klare Strukturen mit dunklen Akzenten handelt. Sich zu Hause wohlzufühlen, spielt mehr denn je eine wichtige Rolle, auch in puncto Möbel­design. Dennoch besteht neben Natürlichkeit auch der Wunsch nach modernen ­Elementen. Authentische Holzreproduktionen und schwarze Oberflächen bedienen genau diese Nachfrage. In jedem Fall ist unsere Kollektion breit genug aufgestellt und so vielseitig, um auch neue Anforderungen oder Themen abzudecken, die jetzt wichtiger werden, als ursprünglich erwartet.“

 

Ausblick in die Zukunft

Monhoff: „Die Virologen haben bei vielen ihrer Aussagen das Wort ‚vielleicht‘ gebraucht. Das würde ich in Bezug auf einen Ausblick auch gerne verwenden. Vielleicht wird sich was ändern oder man muss vielleicht fragen: Wie lange wird es dauern, bis es wieder wie früher ist oder zumindest ähnlich? Denn eines steht fest: Das Verhalten der Kunden wird sich verändern und damit auch das Interesse an bestimmten Produkten. Ich möchte dazu ein Beispiel nennen: In den vergangenen drei bis vier Jahren hatten Beton-Optiken einen riesigen Erfolg. Dieser urbane Stil hat Einzug in vielen Einrichtungen gehalten. Die Coronakrise hat nun gezeigt, dass das gesundheitliche Risiko auf dem Land geringer war, als in der Stadt. Somit hat das Stadtleben an Qualität auf jeden Fall verloren. Das kann schnell dazu führen, dass Betonoptiken plötzlich weniger gefragt sind und natürliche Hölzer stärker. Davon bin ich überzeugt, aber es lässt sich nicht vorhersagen, in welchem Umfang diese Verschiebung stattfindet. Ich gehe insofern von einer neuen Zeitrechnung aus, dass wir künftig zwischen der „Zeit vor Corona“ und der „Zeit nach Corona“ differenzieren und ­sprechen werden. Man sagt, dass schlechte Zeiten viel mehr Innovationen hervorbringen als gute Zeiten. Ich denke, dass dies auch jetzt so sein könnte und dass wir vielleicht im Herbst viele neue Dinge sehen werden – vielleicht.“